Im November wird es immer ungemütlich. Aber dieses Jahr kommt mit der...
Bild Lilien Carré außen
Das energieeffizienteste Einkaufszentrum Deutschlands: das Lilien Carré in Wiesbaden. Fotos: PresseCompany GmbH
Seit März 2007 ist das Lilien Carré in Wiesbaden als Einkaufszentrum ein Begriff. Neben dem üblichen Handels- und Gastronomieangebot auf 36.000 Quadratmetern verfügt das Carré über ein Fitnesscenter, ein Hotel, ein Parkhaus nebst Tiefgarage mit 1200 Stellplätzen sowie 3500 Quadratmeter Bürofläche. Rundum also ein Einkaufszentrum, wie man es aus vielen Großstädten hierzulande kennt. Indes – hinter dem Bekannten verbirgt sich in Wiesbaden eine kleine Sensation: Denn im Lilien Carré sorgt seit Sommer 2007 ein ausgeklügeltes Energiemanagement der URBANA Energiedienstegesellschaft dafür, dass der Betrieb von Konsum, Freizeit und Genuss so ökologisch wie möglich vonstatten geht. Dass sich diese Energiepolitik lohnt, zeigen jetzt die jüngsten Ereignisse: Das Lilien Carré ist für seine Bemühungen in Sachen Energieeffizienz nach DIN EN 16001 zertifiziert worden und ist nun das bundesweit erste energieeffiziente Einkaufszentrum.
Ein Erfolg, der maßgeblich auf das Energiemanagementsystem zurückzuführen ist, das die Energieverbräuche im Lilien Carré nicht nur dokumentiert und auswertet, sondern auch kontinuierlich reduziert. Verantwortlich hierfür ist ein Energiemanager, der die entsprechenden Maßnahmen zur Senkung der Verbräuche in Absprache mit dem Center Management ausarbeitet. Die technische Basis dafür bieten über 400 Energiezähler, die in dem Einkaufszentrum installiert sind. Zusätzlich zum Strom-Hauptzähler geben weitere Wärme- und Kältemengen- sowie Stromunterzähler Aufschluss, wo und wann wie viel Energie fließt. Die Energieverbräuche im Carré bestehen im Wesentlichen aus den Stromverbräuchen für die Erzeugung und Verteilung von Kälte, für die Raumlufttechnik sowie für die Beleuchtung und Haustechnik. Daneben tragen Raumheizung und Warmwasserbereitung zu den Energiekosten bei.
Um Verbräuche und Kosten zu senken, hat URBANA ein Energiemonitoring- und -controllsystem (EMCS) implementiert. Das System meldet zum Beispiel defekte Zähler zeitnah per E-Mail und sorgt so für eine schnellere Fehlerbehebung. Hauptsächlich aber analysiert das EMCS die Messdaten, gliedert sie nach tagesaktuellen Werten oder Energieflüssen auf und zeigt anhand der aggregierten Messdaten Grundlast sowie Lastspitzen. Der Verantwortliche kann mit diesen Analysen Verbrauchsschwankungen, Anomalien und Lastspitzen auf den Grund gehen. So konnte er letztes Jahr dank des Energiecontrollingsystems einen Defekt an der Wärmerückgewinnungsanlage feststellen und beheben lassen.
Wo sich überall Energie einsparen lässt, zeigen beispielhaft einige Effizienzmaßnahmen dieses und des vergangenen Jahres: So hat der Energiemanager den Sollwert der Mall Fluter-Beleuchtung, die sich je nach Tageslicht einschaltet, von 20.000 auf 7.000 Lux gesenkt. Zudem wurde die Beleuchtungssteuerung der Flure und Nebenbereiche so programmiert, dass die Hauptbeleuchtung nun zeitgesteuert wird. So besteht in den Nebenbereichen größtenteils eine Notbeleuchtung, die weniger Strom verbraucht. Außerdem hat der Energiemanager die Betriebszeiten der Lüftungsanlagen in Absprache mit dem Center Management überprüft und dem tatsächlichen Bedarf angepasst. Weitere Stellschrauben des Energiemanagements sind Heizungen und Kälteanlagen. Für die Verdampferheizungen wurden Thermostate nachgerüstet, die veranlassen, dass sich die Heizungen bei Temperaturen unter 5 Grad Celsius anschalten und abschalten, sobald der Verdampfer selbst 10 Grad Celsius erreicht hat. An den Kältemaschinen wurde im Winter 2010 die Vorlauftemperatur angehoben, um die Leistungszahl der Kältemaschinen zu optimieren und den Stromverbrauch für den geringeren Kältebedarf zu minimieren. Seit September letzten Jahres geschieht dies sogar automatisch. Allein durch diese Maßnahmen hat das Lilien Carré 178.000 Kilowattstunden (kWh) Energie und 26.400 Euro Betriebskosten pro Jahr gespart.
Doch damit sind die Möglichkeiten des Energiemanagements noch lange nicht ausgeschöpft; durch den kontinuierlichen Überwachungs- und Verbesserungsprozess ergeben sich immer wieder neue Effizienzpotenziale. Daher hat sich das Lilien Carré einer eigenen Energiestrategie unterworfen: Bis 2015 sollen der Stromverbrauch und die CO2-Emissionen der Kälteerzeugung und -verteilung zusätzlich um 10 Prozent reduziert werden. Der gesamte Stromverbrauch von Raumlufttechnik, Beleuchtung, Haustechnik und im Mieterbereich soll um 1.000.000 kWh gesenkt werden. Beim Wärmeverbauch für Raumheizung und Warmwasser will das Lilien Carré bis in vier Jahren weitere 10 Prozent Energie sparen. So wird das schon heute energieeffizienteste Einkaufszentrum Deutschlands bereits 2015 die Einsparziele der EU-Energiedienstleistungsrichtlinie für das Jahr 2017 nicht nur einhalten, sondern sogar übertreffen.